Kartenpflicht in Deutschland: Warum es höchste Zeit ist aufzuholen
Published • 2.7.2025 | Updated • 2.7.2025
Wichtige Erkenntnisse
Deutschland zahlt noch oft bar, doch Kartenzahlung wird international längst bevorzugt – Zeit aufzuholen.
Die Politik plant eine Kartenpflicht, damit überall mindestens eine digitale Zahlungsoption verfügbar ist.
Verbraucher wünschen sich Wahlfreiheit, besonders jüngere Generationen zahlen fast nur noch bargeldlos.
Kritik kommt aus Gastronomie und Mittelstand wegen Kosten, Datenschutz und technischer Abhängigkeit.
Moderne Lösungen sind günstig und einfach, oft sogar per Smartphone nutzbar – ideal für kleine Betriebe.
Fazit: Kartenzahlung ist eine Chance, kein Zwang – für mehr Komfort, Umsatz und Kundenzufriedenheit.
Es ist Samstagmorgen, ich gehe gut gelaunt in eine Bäckerei in Berlin-Prenzlauer Berg. Der Duft von frischen Brötchen liegt in der Luft und die Stimmung ist entspannt. Als ich an die Reihe komme, bestelle ich meine Brötchen: drei normale, eine Laugenstange und zwei Körner. Doch als ich zahlen wollte, kam die Ernüchterung: „Nur Barzahlung möglich.“ Mein Blick wandert verlegen in meinen Geldbeutel: zwei Cent und ein altes U-Bahn-Ticket. Kartenzahlung? Fehlanzeige. Ich entschuldige mich peinlich berührt, gebe die Tüte zurück und mache mich auf die Suche nach einem Geldautomaten. Die ganze Situation fühlt sich unnötig kompliziert an. Der Bäcker hat so einen Verkauf weniger und ich bin hungrig, bloß weil nur Bargeld akzeptiert wird. Doch das wird sich bald ändern. Stichwort: Kartenpflicht.
Blick über die Grenze: Warum andere Länder schon weiter sind
Wer durch Stockholm, Warschau oder Amsterdam schlendert, merkt schnell: Bei Kartenzahlung hinkt Deutschland hinterher. Während in Deutschland noch mancherorts ausschließlich auf Bargeld gesetzt wird, ist Kartenzahlung in vielen anderen Ländern längst Alltag. In Skandinavien etwa zahlt fast niemand mehr mit Scheinen: In Norwegen werden nur noch rund 3 % aller Zahlungen bar abgewickelt, der Rest läuft per Karte oder Handy.
In Schweden kann man sogar Obdachlosen-Zeitungen via App bezahlen. Auch bei unseren Nachbarn wie Frankreich, den Niederlanden oder Polen gilt: Ob im Supermarkt, im Taxi oder am Marktstand – überall kann man bequem mit Karte zahlen.
Viele Touristen sind daher verblüfft, wenn sie hierzulande plötzlich vor einem „Nur Barzahlung“-Schild stehen, z. B. wenn sie in Berlin-Prenzlauer Berg ihren Flat White zahlen wollen. In ihren Heimatländern wäre das unvorstellbar. Für sie fühlt sich „Cash Only“ wie ein Zeitsprung in die 1990er an. Andere zeigen uns also, wie reibungslos der Alltag mit digitalen Zahlungen laufen kann.
So bezahlen wir heute
Auch in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Unsere Liebe zum Bargeld ist zwar noch stark, aber der Trend geht eindeutig Richtung Karte und mobiles Bezahlen. Laut einer Bundesbank-Studie wurden 2023 noch 51 % aller Einkäufe bar bezahlt: Vor fünf Jahren lag dieser Anteil noch bei fast drei Vierteln. Immer mehr Menschen (vorrangig jüngere) zahlen bevorzugt bargeldlos. Zwei Drittel der Verbraucher hierzulande bezahlen inzwischen am liebsten mit Karte, und rund jeder fünfte meidet aktive Geschäfte ohne Kartenzahlungsmöglichkeit. Mir geht es hier genauso, und ich werde nicht noch einmal in diese Bäckerei gehen.
Schaut man auf die junge Generation: Viele 20- bis 30-Jährige haben kaum noch Bargeld im Portemonnaie. Sie zahlen ihr Mittagessen mit Apple Pay und Freunden wird Geld per App gesendet. Eine schnelle Kartenzahlung ist für sie selbstverständlich. Aber auch Ältere nutzen ihre Karten immer mehr: Kontaktlos zahlen mittlerweile auch viele Senioren gerne. Anstoß war hier die Corona-Zeit, in der man aus Hygienegründen lieber auf Münzen und Scheine verzichtet hat.
Bei den kleinen Unternehmen akzeptieren mittlerweile rund 69 % Karten- oder Handyzahlungen. Dennoch gibt es immer noch etliche Cash-only-Geschäfte, gerade auf Wochenmärkten oder in kleinen Cafés. Hier prallen die Kulturen aufeinander: Die einen (vorwiegend jüngere Kunden) wollen modern zahlen.
Was plant die Politik? Die Pflicht zur Kartenzahlung im Überblick
In Anbetracht dieser Entwicklungen plant die Politik, dies zu ändern. Die Schwarz-Rote Koalition arbeitet an einer gesetzlichen Pflicht zur Bereitstellung digitaler Zahlungsmöglichkeiten. Genau steht dies im Koalitionsvertrag:
„Wir setzen uns für echte Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr ein und wollen, dass grundsätzlich Bargeld und mindestens eine digitale Zahlungsoption schrittweise angeboten werden sollen.“
Im Klartext heißt das: Es soll nicht mehr erlaubt sein, nur Bargeld zu akzeptieren. Jeder Kunde soll frei wählen können, ob er bar oder mit Karte bezahlen möchte.
Das wird schrittweise eingeführt, um auch kleineren Betrieben die Anpassung zu erleichtern. Cash-only-Schilder sollen verschwinden, Bargeld aber nicht abgeschafft werden. Kartenzahlung gibt es dann einfach zusätzlich, was für die meisten größeren Geschäfte oder im Ausland bereits Standard ist. Die Regierung begründet dies mit zeitgemäßer Wahlfreiheit für Kunden und mehr Transparenz zur Eindämmung von Steuerbetrug in bargeldintensiven Branchen wie Gastronomie und Märkten.
Pro und Contra: Was sagen Unternehmen und Gesellschaft?
Die Reaktionen auf die geplante Kartenpflicht in Deutschland fallen unterschiedlich aus. Viele Verbraucher applaudieren: endlich Schluss mit dem ewigen „Nur Bargeld“. Der Digitalbranchen-Verband Bitkom zum Beispiel fordert schon länger ein Ende von reinen Barzahlungsgeschäften und begrüßt den Vorstoß. Auch die Deutsche Steuer-Gewerkschaft zeigt sich positiv: Wenn mehr mit Karte gezahlt wird, steigen die ehrlichen Steuereinnahmen: „Wenn jeder mit Karte zahlen würde, wären die Steuereinnahmen sehr viel höher“, zitiert die Tagesschau den Verbandschef. Viele Kundinnen und Kunden, insbesondere jüngere, dürften die neuen Möglichkeiten ebenfalls begrüßen. Sie haben lange darauf gewartet, dass Kartenzahlung in Deutschland flächendeckend möglich ist.
Doch es gibt auch Kritik von verschiedenen Seiten, vorwiegend aus dem Mittelstand und der Gastronomie. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga warnt vor zusätzlichen Belastungen und Kosten für kleine Betriebe. Sie kritisieren, dass Kartenzahlung nicht gratis ist. Geräte und Transaktionsgebühren kosten Geld. In Branchen mit vielen Kleinbeträgen (Cafés, Kneipen) fürchtet man, diese Kosten könnten über höhere Preise an die Gäste weitergegeben werden. Der Handelsverband HDE gibt zu bedenken, eine gesetzliche Verpflichtung schaffe keine echte Wahlfreiheit, sondern nehme den Händlern ihre unternehmerische Entscheidungsfreiheit. Einige Bargeld-Befürworter in der Bevölkerung sorgen sich zudem, das könne ein weiterer Schritt zur Verdrängung des Bargelds sein. Sie verweisen auf Datenschutz und technische Abhängigkeit: Nicht jeder möchte jeden Kaffeekauf digital dokumentiert sehen, und bei technischen Ausfällen sei Bargeld ein wichtiges Backup.
Keine Panik: Ein Kartenterminal für kleine Unternehmen ist leicht angeschafft
Bei vielen kleinen Betreibern läuten bei dem Thema erst mal die Alarmglocken: „Kartenterminal, Hilfe … das klingt nach teurer Technik, komplizierter Einrichtung und laufenden Kosten.“ Doch keine Panik! Es ist einfach und günstig, Kartenzahlung im eigenen Laden oder Stand anzubieten:
Keine Grundgebühr, transparente Kosten: Viele dieser Lösungen kommen ohne monatliche Grundgebühr aus. Heißt, wenn mal Flaute ist oder während der Winterpause, zahlt man nichts. Kosten entstehen nur bei Nutzung. Beim SumUp sind es z. B. 1,39 % pro Transaktion (bei 10 € also nur ein paar Cent) ohne monatliche Kosten.
Einfache Einrichtung: Die Zeiten, in denen man Techniker benötigte, um ein Kreditkarten-Terminal einzurichten, sind vorbei. Dank intuitiver Apps kann man handliche Kartenterminals für kleine Unternehmen heutzutage einfach selbst einrichten. Gerät und App verbinden und schon nach ein paar Minuten ist alles bereit für die erste Zahlung.
Oder man verzichtet komplett auf ein externes Gerät. Viele moderne Smartphones können über die SumUp-App direkt Zahlungen per Tap to Pay akzeptieren. Einfacher geht es nicht. Das ist gerade praktisch, wenn man nur selten Zahlungen annehmen muss. Perfekt für Märkte.
Stabile Verbindung: Viele fürchten, dass auf dem Markt oder im Café mit dicken Wänden das Kartenlesegerät kein Netz bekommt. In der Praxis reicht oft das normale Handynetz. Sollte das Netz doch mal ausfallen, können trotzdem Zahlungen akzeptiert werden, die synchronisiert werden, sobald wieder Internet vorhanden ist.
Fazit: Bargeldlos bezahlen als Chance
Ich freue mich jedenfalls darauf, künftig mein Brötchen bequem mit Karte oder Handy zahlen zu können. Am Ende des Tages ist die geplante Kartenzahlungspflicht keine Schikane, sondern spiegelt einfach wider, was für viele längst Realität ist: Immer mehr Menschen möchten bargeldlos bezahlen. Für uns Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet es weniger Stress, keine panische Suche nach dem nächsten Geldautomaten, keine Momente wie bei meinem Bäcker, wo der Einkauf am fehlenden Bargeld scheiterte. Und für die kleinen Unternehmen? Für sie ist es die Chance, ihre Kundschaft zufriedener zu machen und sogar zu vergrößern. Viele Vorbehalte („Lohnt sich das?“, „Ist das nicht zu teuer?“) lösen sich in Luft auf, wenn die Praxis zeigt: Es funktioniert problemlos und alle Seiten profitieren.
Als alltäglicher Konsument kann ich den kleinen Betrieben daher nur Mut machen: Seht die Pflicht zur Kartenzahlung nicht als Bürde, sondern als Möglichkeit, das Angebot zu verbessern. In ein paar Jahren werden wir uns wundern, dass es so lange nicht möglich war, beim Bäcker, im Café oder auf dem Markt mit Karte zu zahlen. Bargeldloses Bezahlen gehört zum modernen Alltag, und wenn auch die kleinsten Unternehmen davon profitieren können, umso besser.
Über den Autor
Marius "Fuxs" Wirtz ist Content Creator und macht komplexe Tech-Themen für ein breites Publikum verständlich. Unter dem Handle @mariusfuxs teilt er auf Instagram, YouTube und TikTok spannenden und informativen Content – mit einem klaren Fokus auf Technologie und Künstliche Intelligenz.