Virale Social Media Trends: Chance oder Risiko für Kleinunternehmen?

Obwohl besonders Cafés und Restaurants in der Pandemie hart getroffen wurden, erholen sich die Umsatzgewinne seitdem (1). Das liegt zu einem großen Teil an den alltäglichen Konsumgewohnheiten und der Wiederentdeckung der Café-Kultur in Deutschland. Eine weitere, aktuell ausschlaggebende Rolle spielen aber auch Trends, die auf Social Media kursieren.

Trotz der Kurzlebigkeit mancher Online-Trends bieten viele eine lukrative Einnahmequelle für KMU. So können sich Cafés und Restaurants im Gastgewerbe erfolgreich von der Konkurrenz differenzieren und gezielt neue Nischen bedienen.

Mithilfe einer neuen Umfrage haben wir herausgefunden, wie Kleinunternehmen Trends übernehmen und ob sich diese für ihr Geschäft als vorteilhaft erwiesen haben oder nicht.

In der Umfrage unter verschiedensten Kleinunternehmen in Deutschland haben wir Einblicke in die Vorteile und Risiken der Jagd nach Trends erhalten, welche Auswirkungen sie auf die Unternehmen haben und was manche Unternehmen möglicherweise davon abhält. Zusätzlich haben wir einige der größten Social Media Trends für Cafés recherchiert.

Profitieren Kleinunternehmen von Online-Trends?

Von den befragten Unternehmen gaben vier von fünf KMU (79 %) an, dass sie im vergangenen Jahr mindestens einen Trend übernommen haben. Von diesen gaben jedoch nur etwas mehr als ein Drittel (37 %) an, dass sie dadurch einen positiven Effekt auf ihr Geschäft erzielen konnten. Lediglich 12 % stuften die Einführung eines Social Media Trends als signifikant für ihren Umsatz ein. Unter allen Befragten haben rund ein Fünftel (19 %) das Umsetzen von Social Media Trends gänzlich vermieden.

Die Relevanz von Trends zu beurteilen, fällt vielen Unternehmen schwer. Ein Viertel (26 %) gab Unsicherheit zu. Weitere 6 % gaben an, dass sie Schwierigkeiten haben, Trends zu identifizieren, die sowohl zum Unternehmen als auch zu ihren Verbrauchern passen. Dies deutet klar darauf hin, dass die Vorteile solcher Trends nur dann zum Tragen kommen, wenn eine Relevanz und Interesse für beide Seiten gegeben ist.

Dabei sind es nicht nur unpassende Trends, die abschrecken, sondern auch die damit verbundenen Risiken. So gaben 19 % der befragten Unternehmen an, dass der mögliche finanzielle Schaden eines gescheiterten Trends zu hoch sei, um die Einführung zu rechtfertigen. Weitere 18 % erklärten, dass sie weder Zeit mit kurzlebigen Modeerscheinungen verschwenden noch den Anschein erwecken möchten, ihre Konkurrenten zu kopieren.

Ein zusätzliches Problem stellt die Erkennung von Trends dar. 17 % der Unternehmen gaben zu, dass es schlicht zu schwierig sei, mit der Geschwindigkeit der sich ändernden Trends Schritt zu halten. Dennoch sah rund jeder Achte (13 %) kein wesentliches Risiko in der Trendjagd auf Social Media, was darauf hindeutet, dass die negativen Auswirkungen der Übernahme neuer Trends minimal sind, solange solche in begrenztem Umfang durchgeführt werden.

Auf die Frage, woher Unternehmen ihre Inspiration für solche Trends beziehen, gaben 34 % an, sich direkt in sozialen Medien umzusehen, um Popularität festzustellen. Weitere 29 % verlassen sich auf Kundenfeedback und -anfragen sowie auf Branchennachrichten und -veranstaltungen.

Besonders interessant ist auch, dass sich fast ein Viertel (22 %) an ihre Lieferanten und Partner wandte, um mehr über neue Trends herauszufinden. Dies legt nahe, dass Angebot und Nachfrage oft veränderte Verbrauchergewohnheiten signalisieren können, noch bevor diese Trends massenhaft übernommen werden.

Passend zur anstehenden Weihnachtszeit zeigt die Umfrage: Für 22 % der Unternehmen bringt die Saison keinen spürbaren Umsatzanstieg und nur 23 % sehen Weihnachten als wichtigste Umsatzperiode. Obwohl viele von deutlichen Zuwächsen berichten, ist das Fest nicht die alleinige Basis für den Jahreserfolg.

Wie gehen Gastronomie und Handel mit Social Media Trends um?

Besonders im Handel und in der Gastronomie kursieren viele Trends auf Social Media, ob der neueste Kaffeetrend oder altbekannte Klassiker neu erfunden. Die Umfrageergebnisse belegen, dass die Adaption von Trends für viele KMU im Gastgewerbe und Einzelhandel profitabel ist. In diesen beiden Branchen verzeichnet fast die Hälfte (43 %) einen positiven Nettoeffekt. Besonders im Gastgewerbe sind die Vorteile hoch. Mehr als die Hälfte (52 %) der Betriebe sieht einen positiven Einfluss von der Umsetzung von Trends. Auch im Einzelhandel (34 %) und in der Schönheits- und Kosmetikbranche, wo sogar mehr als die Hälfte (56 %) profitiert, führt die Umsetzung von Social Media Trends zu messbarem Erfolg.

Allerdings gibt es auch Rückschläge: Über ein Drittel (35 %) der Unternehmen im Gastgewerbe verzeichnete keinen messbaren Effekt und knapp jeder Zehnte (9 %) im Einzelhandel gab sogar an, dass die Verfolgung von bestimmten Trends einen negativen Einfluss auf ihr Geschäft hatte.

Trotz dieser gemischten Bilanz fühlen sich zwei Drittel (65 %) der Einzelhändler generell sicher bei der Identifizierung und Umsetzung neuer Trends. Dennoch empfindet rund jeder Fünfte (21 %) im Einzelhandel die Beurteilung der Relevanz eines Trends für das eigene Geschäft als schwierig.

Die mit der Trendadaption verbundenen Risiken variieren stark je nach Sektor. Im Gastgewerbe assoziieren mehr als ein Viertel (28 %) ein hohes finanzielles Risiko, während knapp ein Viertel (24 %) befürchten, durch verspätete Adaption die Konkurrenz lediglich zu imitieren. Gleichzeitig sehen jedoch 16 % der Gastgewerbebetriebe überhaupt keine Risiken.

Im Einzelhandel hingegen sieht knapp ein Viertel (24 %) das größte Risiko in der Investition in Lagerbestände, die sich später nicht verkaufen. Zudem empfindet jeder Sechste (16 %) die Geschwindigkeit, mit der Trends wechseln, als schwer zu bewältigen. Die Sorge um ein hohes finanzielles Risiko wird im Einzelhandel (17 %) geringer eingeschätzt als im Gastgewerbe.

Was sind derzeit die beliebtesten Café- und Restaurant-Trends online?

Doch welche Geschmacksrichtungen, Gebäcksorten und Getränke trenden in Deutschland? Durch eine Untersuchung und Auswertung von Social Media- und Suchdaten wurden die besten Trends für Cafés und Restaurants der vergangenen Monate identifiziert.

Latte Art, also die Kunst, Kaffeegetränke mit Milchschaum zu verzieren, hat auf Social Media beeindruckende Ausmaße gewonnen. Talentierte Baristas kreieren Schwäne, Blumen oder andere Kunstwerke mit dem Milchschaum auf Getränken und versüßen so Kunden bereits früh ihren Tag. Diese Bilder werden gerne online geteilt: fast 15 Millionen Instagram-Posts sowie 767.400 TikTok-Beiträge lassen sich unter dem Hashtag #latteart finden. Um bei diesem Trend mitzuhalten, sind keine hohen Investitionen nötig. Stattdessen kann das Personal durch professionelle Schulungen seine Fertigkeiten erweitern.

Ein weiterer Getränketrend ist besonders beliebt. Suchtrends nach Cold Brew Kaffee sind in den letzten 3 Monaten um 9.900 % gestiegen und auch auf Social Media ist das Trendgetränk stark präsent (fast 5,4 Millionen Instagram-Posts).

Während der Pandemie haben viele versucht, Sauerteigbrot zu backen oder verschiedene Gebäcke mit Sauerteig zu kreieren. Und der Trend hält bis heute unvermindert an. Innerhalb der vergangenen drei Monate wurde in Deutschland fast 200.000 Mal nach „Sauerteig“ gesucht und auch auf Instagram ist das Interesse hoch. Dort wird der Trend in mehr als 19 Millionen Posts erwähnt. Die Nachfrage nach Sauerteigbrot ist weiterhin stark und kann eine beliebte Option in Cafés, Bäckereien oder Restaurants sein.

Cafétrends zur Weihnachtszeit

Mit der bevorstehenden Weihnachtszeit stellt sich die Frage, welche Trends in diesem Jahr die Überflieger sind. Die Recherche zeigt, dass traditionelle Weihnachtsleckereien weiterhin hoch oben mithalten können. Das traditionell italienische Weihnachtsgebäck, Panettone, stellt sich als der beliebteste Weihnachtstrend heraus. Das Interesse online ist in den vorherigen drei Monaten um 8.900 % gestiegen und auch auf Social Media ist die süße Verführung beliebt, mit über 1,8 Millionen Instagram-Posts.

Doch Restaurants, Bäckereien und Cafés könnten altbekannte Leckereien in ihr Repertoire aufnehmen. Ob als einfaches Gebäck zum Kaffee oder als Geschmacksrichtung in einem Getränk: Es gibt viele Möglichkeiten, solche Trends umzusetzen.

Vanillekipferl weisen mit 24.600 Google-Suchen in den letzten drei Monaten das höchste Suchvolumen in der Weihnachtskategorie auf. Zimtsterne sind ebenfalls begehrt (um 8.500 % gestiegenes Interesse in drei Monaten) und lassen die Weihnachtsstimmung so richtig aufkommen. Für Gastronomiebetriebe verschiedenster Arten kann die Adaption solcher Trends ein wichtiger Umsatztreiber sein, da so direkt die saisonale Nachfrage in den Wintermonaten bedient wird.

Wie können Unternehmen Trends zu ihrem Vorteil nutzen?

Trotz der potenziellen Risiken können Trends für Unternehmen klare Vorteile bieten – vorausgesetzt, sie werden strategisch übernommen. Dabei ist die Relevanz des Trends für das eigene Geschäft entscheidend, ebenso wie die Fähigkeit, zwischen nachhaltigen Entwicklungen und kurzlebigen Modeerscheinungen zu unterscheiden.

Es kann schwierig sein, Trends online frühzeitig zu erkennen und vorherzusagen. Oft hören viele Unternehmen erst von ihnen, wenn sie bereits bei der Masse angekommen sind. Einige erste Anzeichen, auf die Geschäfte jedoch achten sollten, sind Änderungen im Angebot von Lieferanten, Konkurrenz oder auch größeren Ketten und bestimmte Kundenanfragen.

Besonders das frühe Interesse von Kunden kann Gold wert sein, vor allem für Betriebe, die möglicherweise etwas weniger auf Social Media aktiv sind. Schon eine kurze Recherche zu spezifischen Anfragen kann einen neuen Trend aufdecken, bevor dieser längst zum Massenphänomen geworden ist. Unabhängig davon bleibt die Beobachtung populärer Entwicklungen in sozialen Netzwerken stets ein wichtiger Wegweiser für potenzielle Kundeninteressen.

Bei der Übernahme von Trends ist es entscheidend, zwischen nachhaltigen Trends und vorübergehenden Modeerscheinungen zu unterscheiden. Die anhaltende Beliebtheit von Sauerteigbrot beispielsweise hat dazu geführt, dass es zu einer Standardoption in vielen Bäckereien und Cafés weltweit geworden ist, während Pumpkin Spice Lattes ein sehr saisonales Getränk ist.

Zur Beurteilung, ob ein Trend Bestand haben wird, sollten Unternehmen ihr Fachwissen und ihre Marktkenntnis nutzen. Wer einen Trend testen möchte, dem empfiehlt es sich, eine Option zu wählen, die einfach, leicht erlernbar und im Umfang begrenzt ist. Erweist sich der Testlauf als erfolgreich, kann der Trend nachträglich in das reguläre Sortiment aufgenommen werden.

Auch wenn die Weihnachtszeit nicht für jeden Betrieb die profitabelste des Jahres ist, lohnt es sich, den Kunden festliche Leckereien anzubieten. Weihnachtsartikel wie Lebkuchen und Glühwein sind aufgrund ihrer Erschwinglichkeit und Beliebtheit ideal für ein begrenztes Zusatzangebot.

Grundsätzlich sollte beachtet werden, dass die effektive Nutzung eines Trends Vorteile für die Popularität und Bekanntheit eines Kleinunternehmens mit sich bringen kann. Um einen erfolgreichen Trend oder saisonale Angebote optimal umzusetzen, ist die Verfügbarkeit eines schnellen und benutzerfreundlichen Zahlungssystems essenziell, um mit der gesteigerten Nachfrage Schritt halten zu können.

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Methodologie und Quellen

Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit OnePoll im Oktober 2025 durchgeführt und von 500 deutschen Inhabern von Kleinunternehmern und Entscheidungsträgern in Kleinunternehmen ausgefüllt, die online, über stationäre Geschäfte oder über beide Kanäle tätig sind.

Für den Trendvergleich wurden folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Google-Trends in Deutschland (August bis Oktober 2025). Dieser Faktor wurde im Ranking doppelt gewertet.

  • Google-Suchvolumen in Deutschland (August bis Oktober 2025)

  • Instagram-Beiträge

  • TikTok-Beiträge

Die gesammelten Daten sind aktuell vom 10.11.2025. Die Daten wurden auf eine Punktzahl zwischen 0 und 1 normalisiert und diese Punktzahlen wurden dann addiert, um jedem Trend eine Gesamtpunktzahl von bis zu fünf Punkten zu geben. Das Ranking der Trends erfolgte anhand der ermittelten Gesamtpunktzahl, absteigend sortiert.

(1) Statista

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